Über mich

Den Anfang hätte ich jetzt einfach mal auf 1986 datiert, vorher gab es zwar schon ersten Kontakt in Form von SID/OPL Sounds auf dem C64, aber richtig los ging es mit dem Amiga 500 und dem Tracker als Sequencer, mit dem ich erst mal einige Jahre beschäftigt war. Anfang der 90 er wurde aus dem Amiga ein PC, ein erstes mini-Midi Keyboard und ein single Midi Interface das noch über die gute alte RS232 angeschlossen war, und es folgte der erste Rompler und eine frühe Cakewalk Version als erste "DAW" wenn man das schon so nennen kann.

In der Zeit lernte ich Tomek im Music Circus Oberhausen kennen, wir hatten einen recht ähnlichen Musikgeschmack obwohl wir aus ganz unterschiedlichen Richtung kamen - er spielte einige Jahr als Gitarrist in einer Rockband ohne "Hupen". Wir haben einfach mal was probiert und kamen zu dem Schluß - das die Welten die eigentlich gar nicht zusammenpassen - doch zusammen funktionieren. Etwas später traf ich dann den Donk - er hat mir das Tor geöffnet was man da noch so alles als Klangerzeuger einsetzen kann, und das es auch ohne Computer läuft.

Wenn ich über die Arbeitsweise nachdenke, kann ich heute nur den Kopf mit dem nötigen Respekt schütteln. Sounds die in den Arbeitsdateien abgelegt waren und zuerst per Sysex Dump gesendet werden, single Audio Karte die eben nicht stablis bei 44,1 khz lief - sprich nach jedem Take einen Korrekturfaktor berechnen, und jede Spur bedeutet irreversibler 2 Track Mixdown auf einen.

Irgendwann war ich dann auch mit dem Tackle-Wahn infiziert und meine Wohnung sah aus, wie ein kleines Tonstudio. Viele der Songs die auf 1999 oder 2000 datiert sind, stammen aus der kreativen Zusammenarbeit mit Tomek mitte der 90er bis Millenium. Mit der Hardware wurde auch die Arbeitsweise etwas angehemer, echtes Multitrack - vernünftige Wandler. Für eine kurze Zeit wurden wir durch Mara als Sängerin verstärkt, schade das dies nur von kurzer Dauer war bevor wir das echte Potential ausschöpfen konnten.

Tackle-Wahn

Damals waren wir noch jung und motiviert - Donk,Tomek und ich probten auch mitten in der Woche bis spät in die Nacht im Bunker um unter dem Namen Syntelman (Synchrone Tele-Manipulation) eine Geburtstagsparty mit Coversongs (das meiste 80er Jahre Stoff) zu schmeißen. Wenn ich allein an den Berg Ausrüstung denke, den wir da hingeschleppt haben, oder die zähen Starts ins Büro wenn die Probe mal wieder bis in die Puppen ging. Ich für meinen Teil habe einiges mitgenommen aus diesen Tagen - kann euch leider nichts vom dem Gig hier zu hören geben, weil GEMA.

Es folgten Phasen, in denen andere Dinge im Leben wichtiger waren - darüber ist leider auch die Arbeit mit Tomek eingeschlafen. Sporadisch gab es dann in den folgenden Jahren immer wieder Phasen in denen ich Musik gemacht habe, und immer wieder erstaunt war, welche technischen Fortschritte Einzug hielten, die ersten ausgewachsenen DAW's - Instrumente die im Computer berechnet werden. Da ich beruflich am Rechner arbeite war es einfach, die neue Technik zu begreifen - jedoch fehlte mir irgendwie der kreative drive, das Material aus den späten 90ern spukte noch im Kopf, was zu verschiedenen Ablegern/Zwischenversionen geführt hat, ohne jemals wirklich fertig damit zu sein.

Richtig angefixt bin ich erst wieder seit 2018, gut das es den Donk noch gibt - der den nötigen Aktivierungsimpuls gesendet hat. Ich bin mittlerweile auf dem besten Weg in die Riege der alten Säcke, daher ist eine Schrankladung Ausrüstung schleppen keine Option mehr, und ich habe meinen Ansatz ziemlich radikal verändert. Ein paar Eingabegeräte (Controller Midi-Keyboard Drum Pads) müssen reichen, die Rechner haben ausreichende Power - alles was eh digitale Hardware ist, kann der Rechner perfekt.

2019 war musikalisch gesehen ein gutes Jahr, die gute Entscheidung die DAW auf Bitwig Studio umzustellen hat mich sehr viel weiter gebracht, zum ersten mal nach 20 Jahren Abstinenz wieder live auf der Bühne gespielt und last but not least zu der genialen Truppe vom Electric Cafe Ruhr gestoßen.

Der erste Live-Gig für 2020 ist auch schon gespielt, die Bunkerparty im Medienbunker Marxloh war wirklich ein schönes Event, und ich habe erst mal eine live-Auszeit eingelegt die hier im Album münden. Hier ein paar Bilder aus dem Bunker, Fotos T.Kohn.

Die Ausnahmesituation die uns in 2020 kalt erwischt hat, ist dann auch der Showstopper für die geplanten Jam-Sessions geworden. Die Situation hat aber auch seine gute Aspekte, die Entschleunigung und das kleine Extra Zeit, lässt ein wenig mehr Raum im Alltag für die Musik. So ergab sich Ostern völlig ungeplant und spontan das Co-Working Album mit Record Of Tides "Altered Stems", was mir riesig viel Spaß bereitet hat und eine tolle Erfahrung war.

Was ich aktuell mache? Das nächste Album ist in arbeit, gerade lege ich eine kurze Pause ein, um schnell noch ein wenig links und rechts abzubiegen, und ein wenig mehr auf "Breite" zu setzen. Um über einen Release-Termin nachzudenken ist dieses Projekt noch nicht weit genug. Für die Zeiten wenn live-Musik wieder machbar ist, tüftele ich gerade an neuen Wegen, um das schwierigen Thema "elektronischer Musik" und "Live" weiter in die "Performance" Ecke zu rücken.